Transparenzhinweis: An drei Stellen verlinkt dieser Text auf Anvido, ein Angebot, das von denselben Personen verantwortet wird wie dieses Portal (Nadu Bremen). Geld ist dafür nicht geflossen — wir legen die Verbindung offen, damit Sie die Empfehlungen einordnen können. Alle übrigen genannten Anlaufstellen sind unabhängig von uns.

Das neue Schuljahr ist erst wenige Wochen alt — und in manchen Bremer Familien ist der Knoten im Bauch schon wieder da: Die Hausaufgaben dauern ewig, das Lesen stockt, unter dem Diktat stehen mehr Anmerkungen als Wörter. Wer als Mutter oder Vater den Verdacht hat, dass hinter den Schwierigkeiten mehr steckt als Unlust, steht in Bremen vor einem System aus Abkürzungen: ZuP, ReBUZ, BLIK, Nachteilsausgleich, § 35a. Dieser Wegweiser sortiert, wer wofür zuständig ist — Schritt für Schritt.

Schritt 1: Das Gespräch in der Schule suchen

Der erste Weg führt fast immer über die Klassenleitung oder die Deutschlehrkraft. Sie erlebt das Kind täglich, kann die Beobachtungen aus dem Elternhaus einordnen — und sie kennt die schulinternen Wege. An Bremer Schulen sind außerdem die Zentren für unterstützende Pädagogik (ZuP) angesiedelt, die die schulische Förderung koordinieren. Hilfreich fürs erste Gespräch: konkrete Beispiele mitbringen — wie lange dauern die Hausaufgaben wirklich, was genau fällt schwer? Und am Ende gemeinsam festhalten, was als Nächstes passiert.

Schritt 2: Diagnostik und Beratung — die ReBUZ

Für vertiefte Beratung und Diagnostik sind in der Stadtgemeinde Bremen die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (ReBUZ) die zentrale Adresse, mit vier regionalen Zentren für Nord, Süd, Ost und West. Dort arbeiten Fachleute, die auf Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten spezialisiert sind. Nach der Diagnostik erhalten Eltern und Lehrkräfte konkrete Hinweise, welche Fördermaßnahmen zum Kind passen. Die Beratungsanfrage läuft in der Regel über die Schule — sprechen Sie die Klassenleitung darauf an. Für Kinder mit ausgeprägten Leseschwierigkeiten gibt es in Bremen außerdem die Bremer Lese-Intensivkurse (BLIK).

Schritt 3: Nachteilsausgleich — was die Schule tun kann

Steht fest, dass ein Kind besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, kann die Schule mit einem Nachteilsausgleich reagieren: etwa mehr Zeit bei Klassenarbeiten oder vorgelesene Aufgabenstellungen; auch die Bewertung kann angepasst werden. Wie das im Einzelnen aussieht, entscheidet die Schule — Eltern sollten das Gespräch dazu aktiv suchen. Einen Überblick, wie der Nachteilsausgleich in Bremen und den anderen Bundesländern geregelt ist, gibt der Bundesland-Überblick von Anvido.

Schritt 4: Lerntherapie — und die Frage, wer sie bezahlt

Reicht die schulische Förderung nicht aus, kommt außerschulische Lerntherapie ins Spiel. Die Krankenkassen übernehmen sie in aller Regel nicht; viele Familien zahlen selbst. Weniger bekannt: Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Jugendamt die Kosten als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII übernehmen — dafür braucht es einen förmlichen Antrag und eine fachärztliche Stellungnahme. Wie ein solcher Antrag Schritt für Schritt abläuft, erklärt ein ausführlicher Ratgeber bei Anvido.

Austausch mit anderen Eltern

Seit Ende 2023 gibt es zudem einen Bremer Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie im Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) — gegründet von Eltern. Der Verband berät Betroffene, Eltern und Lehrkräfte und bringt Familien bei Infoabenden und Online-Treffen zusammen (Kontakt: info@ledy-bremen.de, Telefon 0421 217643). Der Austausch mit Eltern, die denselben Weg schon gegangen sind, ist für viele Familien mindestens so wertvoll wie jede Broschüre.

Und in der Wartezeit?

Zwischen dem ersten Verdacht und einem Termin können Wochen vergehen. Wer vorab für sich selbst ein Bild bekommen möchte, kann die kostenlose Erste Einschätzung von Anvido nutzen — ein Online-Fragebogen von etwa fünf Minuten, der die eigenen Beobachtungen strukturiert und eine Tendenz gibt. Eine Diagnose ersetzt er ausdrücklich nicht; die gehört in die Hände von Fachleuten — in Bremen etwa bei den ReBUZ.

Der vielleicht wichtigste Satz zum Schluss: Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche ist keine Frage der Intelligenz — und kein Grund für Selbstvorwürfe, weder beim Kind noch bei den Eltern. Bremen hat funktionierende Anlaufstellen. Der erste Schritt ist ein Gespräch.